Teil 1 – Bagflip - Upcycling Taschen aus Trikots

Von der Idee zur ersten Upgecycelten Tasche

Upcycling, hä?

Um es kurz zu machen: Ich hatte morgens irgendwann die Idee, dass es Millionen von alten Sporttrikots gibt, die in den Schränken der Besitzer liegen und nicht mehr verwendet bzw. weggeworfen werden. Von dort aus war es nur ein kleiner Schritt zu „Taschen aus gebrauchten Trikots“.

Einen ersten Überblick, was hinter der Idee von - Bagflip-Upcycling aus Trikots - steckt, findet ihr hier: https://www.bagflip.de/idee

 

Mich hat das Thema "Upcycling“ schon immer interessiert. Die Neuschöpfung von wertigen Produkten aus Materialien, die eigentlich nicht mehr benötigt werden, die Müll, Abfall sind. Hierfür scheinen mir alte Sport-Trikots besonders geeignet.

Wie, und ob das überhaupt funktionieren kann, war zu diesem Zeitpunkt die erste ernsthafte Frage, die ich mir stellen musste. Da gab es nur noch ein klitzekleines Problem: Ich konnte noch nicht einmal mit einer Nähmaschine umgehen.

Glücklicherweise konnte mir hier meine Patentante weiterhelfen, die über eine immense Näherfahrung verfügt und sich bereit erklärte erste Versuche mit ausgedienten Jerseys zu starten

Erste Nähversuche

Ich bat sie mir eine "Allroundtasche" nach meinen Vorstellungen anzufertigen. Pate dafür stanfd ein im urlaub erworbenes Modell, das sie leicht modifiziert nähen sollte. So entstand ein Prototyp, der später noch verändert wurde und einige Verbesserungen bekam.

 

Parallel erkundigte ich mich über die Situation am "Upcycling aus Trikots“ Markt. Es schien wie ein Wunder, aber professionelle Konkurrenz konnte ich nicht finden. Es gab wohl ein paar Versuche aus Trikots etwas anderes herzustellen. Wie ich jetzt weiß verarbeiten auch einige Vereine alte Trikots, aber richtig professionell wird das z.Zt. scheinbar nirgendwo durchgeführt. Eine gute Startporition für Bagflip!


#1:  Habt Ihr eine Idee, die Ihr nicht auf Anhieb selbst umsetzen könnt, fragt erstmal im Freundes- und Bekanntenkreis, ob euch jemand weiterhelfen kann. Professionelle Hilfe solltet ihr erst in Erwägung ziehen, wenn ihr präzise Vorstellungen zu eurem Produkt habt. Checkt die Konkurrenzsituation und ob Eure Idee auch Alleinstellungsmerkmale besitzt. Ich hätte Bagflip nicht gestartet, wenn es schon 20 Firmen gegeben hätte die sich mit dem Thema beschäftigen.


In den nächsten Wochen überlegte ich nun, was mit diesem Stoff noch alles möglich wäre und es kam ein ordentliches Taschenrepertoire zusammen. Gleichzeitig wurde mir bewußt, dass wenn ich in irgendweiner Form für Produzenten ernstzunehmen sein wollte, selbst nähen können müßte. Gesagt, getan. Ich kaufte mir eine preisgünstige Nähmaschine und fing an mir das Nähen beizubringen. Meine Frau hatte noch einige Grundkentnisse und auf YouTube gibt es jede Menge gelungene Anleitungen, die einem einen leichten Einstieg in das Thema ermöglichen. Nach einigen krummen und schiefen Versuchen wurden die Ergebisse schnell besser.

 

Von nun an war ich in der Lage Entwürfe selber herzustellen, diese Nähereien zu präsentieren und vor allen Dingen einen angemessenen Stückpreis auszuhandeln.

 

Dies tat ich dann als nächstes. Ich suchte mir einige kleine Nähereien im Umland und stellte ihnen mein Projekt vor. Aufgrund meiner Näherfahrung, konnte ich einen Preis vorgeben, der im groben den Vorstellungen der Näherei entsprach. Wir einigten uns und somit waren die ersten Vorarbeiten für die Produktion der Allround- und der Federtasche waren gelegt.

Der Grundstock war gelegt. Ich hatte ein "Upcycling Produkt“ das ich (zumindest in einer kleinen, bis mittleren Auflage) auch noch lokal produzieren lassen konnte. Super!

Alternativ fand ich übrigens noch zwei weitere Optionen die ggfs. später zum Einsatz kommen. Die Näherei einer WFbM (Werkstatt für behinderte Menschen) und einem Sozialprojekt, in dem Menschen nähen, die lange Zeit eine Arbeit gefunden haben. Beride Optionen passen gut in mein persönliches Firmenleitbild.


# 2: Möchtest Du ein selbst entwickeltes Produkt verkaufen, so versuche es zunächst selbst herzustellen. So kannst Du abschätzen, wieviel Arbeit in Deinem Produkt steckt und erhältst Anhaltspunkte für die Produktionskosten. Jeder Geschäftspartner wird weiterhin Dein Fachwissen zu schätzen wissen und dich bei Gesprächen ernst nehmen.


Materialbeschaffung

Jetzt ging es natürlich daran alle benötigten Materialien zu besorgen und auszuwählen. Die Idee mit den Trikots ist natürlich super, aber woher sollte ich diese bekommen. zuerst gucke ich im eigenen Schrank, dann fragte ich Freunde und Bekannte, aber diese Quellen verebben halt schnell. Zunächst blieb mir hier ebay, ebay-kleinanzeigen und ein Sportoutlet, wo ich günstig eine größere Menge Trikots erstehen konnte. Alles Markenware der großen, bekannten Hersteller. Eine gute und bunt gemischte Grundausstattung war vorhanden.


 #3: Achte beim Verwenden von Markenartikeln ( z.B. beim Upcyceln) darauf, dass du keine Markenrechtsverletzungen begehst. Ich habe zum Beispiel sämtliche Logos und markanten Kennzeichen (Streifen und Swoosh etc.) entfernt.


Da der Trikotstoff sehr flexibel und dünn ist brauchte ich für die ersten beiden Artikel noch ein zusätzliches Material. Das hiess experimentieren. Ich entschied mich für Oxford 600. Ein wasserdichter, reißfester Stoff, den ich von meiner Motorradbekleidung kannte und der meines Wissens kaum kleinzukriegen ist. Diesen Stoff konnte ich ebenfalls günstig bei ebay erstehen. Für die Taschen war (leider) dieser zweite Stoff notwendig, um dem Ganzen eine ausreichende Stabilität zu geben. Das bedeutete aber auch nicht zu 100% Upcycling zu betreiben. Ärgerlich, aber dafür produziere ich mittlerweile Ordnungsbeutel, bei denen ich ausschliesßlich den Trikotstoff verwende.

Nach umfangreichen Recherchen fand ich heraus, das die Reißverschlüsse der Firma Opti wohl die qualitativ besten sind. Ich nähte sie versuchsweise ein und war begeistert, zumal die Teile „Made in Germany“ sind. Preislich nicht am günstigsten, aber machbar.


# 4: Als Produzent von neuen Produkten in kleineren Auflagen empfehle ich euch qualitativ hochwertige Zubehörteile bzw. Materialien zu verwenden. Im Verhältniss zu Großproduzenten könnt ihr preislich in der Regel nicht mithalten und solltet auf eine gute Qualität achten!


Kleine Produkterweiterungen, wie Zipper und Karabinerhaken ergänzten die Taschen. Arbeitsmaterialien, wie Schneidbretter, Rollenschneider, nadeln, garne etc. kaufte ich nach und nach zusammen.
Ich hatte alles für den Start meiner Produktion zusammen, aber es fehlte doch noch eine ganze Menge (Name, Logo etc.)!

Schon in der Anfangsphase von Bagflip konnte ich viele meiner elemntaren Anorderungen erfüllen:

-Upcycling Artikel (Ressourcenschonend)
-Herstellung in Deutschland (Kurze Transportwege - sozialverträglich)
-Wenig und plastikfreie Verpackung (folgt in einem anderen Artikel)

Die ersten Schritte waren unternommen und somit endet Teil 1 hier.


Ich habe schon einiges in meinem Leben gemacht und noch mehr Ideen gehabt. Einen großen Teil habe ich verworfen, weil mir immer zuviele "Wenns" und Abers" eingefallen sind. Das schützt zwar vor blindem Aktionismus, bremst aber auch leider oft gute  Ansätze aus. Wichtig ist es Ideen, an die man glaubt, umzusetzen. Egal erstmal, ob Du denkst, dass diese erfolgreich sein können oder eben nicht. Das sieht man meist eh erst viel später. Überlege Dir, ob deine Idee für Dich richtig gut ist und ob Du Spaß daran hast viele Stunden in die Umsetzung dieses Gedankens zu investieren. Am Ende ensteht etwas, was Du richtig gut findest und dafür lohnt sich in der Regel schon die Arbeit.


Habt Ihr Fragen? Gerne in die Kommentarfunktion oder per Kontaktformular an mich.

Lest in Teil 2:
Die Gründung und Anmeldung einer Firma und die Findung des Firmennamens bzw. des Labels - erscheint am 15.07.2017

 

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