Die Idee & Geschichte

Ein Türkeiurlaub

Meine Frau und ich waren vor einigen Jahren in der Türkei im Urlaub. Schön. Auf einem Markt erstanden wir ein kleines Täschchen. Sehr preiswert und ungefähr mit den Abmessungen, wie unsere Taschen jetzt. Dieses in der Türkei gekaufte Täschchen lag irgendwo zwischen Trashkunst und Tourinepp. Sehr dünn, gülden glänzend und mit allerlei religiösen Motiven verziert. Gekauft und gut, aber was sollten wir jetzt damit anfangen? Zu hause lag das Täschchen erstmal im Schrank.

Nach kurzer Zeit dachte ich mir, dass dieses Behältnis doch super als Einkaufskasse geeignet sei. Um ein bisschen den Überblick zu behalten, füllten wir also diese Kasse immer zum Einkauf mit ein paar Euro auf und nahmen sie mit zu unseren Besorgungen. Auch wenn dieses Teil aufgrund der Materialbeschaffenheit nicht endlos hält,  wurde es doch ein treuer Begleiter für uns.

Schön und trashig: Täschchen aus der Türkei
Trashiges Täschchen aus der Türkei

Eine Idee entsteht

Die Verwendung der Tasche legte mir nun nicht gerade nahe, dass ich auch so etwas herstellen müsse, aber wie das dann manchmal so ist... Ich sortierte meinen Kleiderschrank und dabei fielen mir meine alten Sporttrikots auf. Ein Teil war zu abgetragen, um ihn noch weiter zu verwenden, andere Shirts passten gar nicht mehr.
Irgendwie hat dann mein Kopf alles zusammengesetzt. Selbständig, und ohne mein Eingreifen.
"Mach aus dem Trikot ne neue Haushaltskasse", so mein Gehirn.
Das passte! Ich wusste immer, dass wenn ich in die Produktion eines Artikels einsteigen würde meine Grundsätze nicht über den Haufen werfen wollte:

-Produktion in Deutschland (oder max. Europa)
-Keine Gewinnmaximierung um jeden Preis
-Verwendung von recycelten oder/und upgecycelten Produkten
-Ein sinnvolles Produkt herstellen
-Möglichst keine oder wenig Verpackung (-Müll produzieren)

Dies ist mit Bagflip möglich
Hätte ich gewußt, was für eine Arbeit und wieviel Nerv und Anstrengungen jetzt auf meinem Weg liegen würden, hätte ich das Projekt wohl gar nicht gestartet. Zum Glück habe ich es getan, denn das Ergebnis gefällt mir ausserordentlich gut.

Erste Versuche

Eine Angebotsnähmaschine erlaubte mir erste eigene Nähversuche. Ja, so nach und nach konnte man eine Tasche erkennen, zumindest reichten diese ersten Versuche, um los zu gehen und einen Prototyp nähen zu lassen. Ich hatte Glück und fand Hilfe in der Familie. Meine Patentante konnte, als geübte Hobbynäherin, eine erste Version der Tasche herstellen. Hierbei zeigt sich, dass es sich bei Trikotstoff um ein sehr widerspenstiges Material handelt, welches häufig mit seinem hohen Anteil an Elastizität Vorbereiter & Näher zur Verzweiflung bringt. 

Ein langer Weg

Ich hätte nun nicht gedacht, dass ein so langer Weg auf mich warten würde. Das es möglich ist so eine Tasche herzustellen, hatte ich gesehen. Was folgte war zunächst eine umfangreiche Materialbeschaffung. Ich verbrachte Stunden damit Trikots zu finden/kaufen, Reißverschlüsse, Stoffe (Fleece, Oxford, Jersey etc.) und Garne zu testen, der Namensfindung, der Markenrecherche und so vielem mehr.

Vor allen Dingen suchte ich aber professionelle Näher, die mir helfen konnten das Projekt umzusetzten. Natürlich gegen eine ordentliche Bezahlung. Zunächst erhielt ich nur Absagen. Das konnte ich nicht verstehen, schliesslich gab es direkt "Bares". Die Arbeit war wohl zu fumelig?!

Irgendwann war es dann doch so weit und eine Näherei erbarmte sich meiner. Wir handelten einen fairen Preis aus und die Fertigung lief an.

Die Herstellungskosten sind jedoch enorm hoch und erklärten mir auch, warum so viele Produkte im Ausland gefertigt werden. Bagflip wird jedoch so lange wie möglich versuchen, die Taschen in Deutschland herzustellen. Vielleicht tun sich ja noch neue Wege auf?